| Baskenland |
|
|
Baskenland: Fürchten Sie ein Verbot Ihrer Gefangenenhilfsorganisation? jW
sprach in San Sebastian mit Angehörigen baskischer Häftlinge
und Vertretern der Gruppe Senideak F: Sie haben als Senideak-Mitglieder in San Sebastian einen Raum in der Kirche »Buen Pastor« besetzt und einen Hungerstreik begonnen? Was wollen Sie erreichen? Edurne: Die Polizei hat am Mittwoch unseren Sprecher und zwölf Mitglieder der Gefangenenhilfsorganisation »Gestoras pro Amnistia« verhaftet. Vorgeworfen wird uns, wir würden mit dem Geld, das wir oder die Gestoras als Spenden von den Leuten bekommen, die ETA unterstützen. Die Gestoras unterstützen uns darin, unsere Leiden als Angehörige der Gefangenen zu mildern. Wie soll ich als Frau mit 82 Jahren das machen, jede Woche Hunderte Kilometer nach Huelva zu fahren, oder früher auf die Kanarischen Inseln? Wie soll ich allein das bewerkstelligen, wenn mir niemand dabei hilft? Sind die Gestoras oder wir Angehörigen deshalb Mitglieder der ETA? Iñaki: Wir verteidigen nur die Rechte der Gefangenen, treten gegen die Folter, Mißhandlungen und die Isolation ein. Zuletzt wurden Fotos einer Gefangenen veröffentlicht, die deutliche Verletzungen von der Folter zeigen. F:
Sie werden tatsächlich beschuldigt, Teil der bewaffneten Untergrundorganisation
ETA zu sein? F: Ist das eine neue Situation? Patxi: Ja. Selbst der spanische Diktator Franco ist nicht soweit gegangen. 29 Personen, die mit ihrem Namen die Gestoras pro Amnistia gegründet haben, wurden nie belangt. Das zeigt, in welcher heuchlerischen »demokratischen« Situation wir leben. Wer heute seinen Namen nennt, muß damit rechnen, eingesperrt zu werden. Doch die Gestoras gibt es seit Jahrzehnten. Auf einmal ist sie ein Teil der ETA? Es reicht zu behaupten, du gehörst zum Umfeld der ETA, um dich ohne Urteil im Gefängnis verschwinden zu lassen. Da sind einige Leute von Organisationen der Unabhängigkeitsbewegung schon seit Jahren ohne Verfahren im Knast. F: Was bedeutet es, daß Ihr Sprecher verhaftet wurde und Ihre Konten gesperrt sind? Iñaki: Sie wollen uns abwürgen. F: Gehen die Gefangenenbesuche, zu denen sich jedes Wochenende etwa 2000 Basken in die hintersten Winkel Spaniens und Frankreichs aufmachen, weiter? Iñaki: Wir müssen fahren, auch wenn das für uns gespendete Geld weg ist und viele Angehörigen kein Geld für die Reise haben. Dabei bräuchten wir weder die Hilfe von den Gestoras noch von der Bevölkerung, wenn sie unsere Gefangenen ins Baskenland verlegen, wie es das spanische Gesetz und das europäische Recht vorsehen. F: Während seit langem eine Kampagne gegen die Gestoras läuft, ist die Kriminalisierung von Senideak neu. Wird so ein Verbot der Organisation vorbereitet? Maite: Was wollen sie denn verbieten, daß ich meinen Sohn besuche? Patxi: Ich denke ja, denn das ist kein Zufall. Richter Garzón der die Sache ausführt, ist ja nur der handelnde Arm der Regierungsstrategie, die sich seit Jahren abzeichnet: Verbote von Zeitungen, Organisationen, ja selbst die baskische Sprache sind wieder das Ziel von Angriffen. Ralf
Streck |
|
|
|
|