| Baskenland |
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Glück im Unglück Gestern
wurde Eduardo Chillida, der bekannteste Baske, beigesetzt Vor 25 Jahren schuf er diese »Peine del Viento« (Windkämme) am Fuße des Igueldo. Die von einem martialischen Wind zersausten Greifarme rammte Chillida in den bunten, verwitterten Sandstein. Eine Legierung aus Stahl, haltbar für eine mittlere Ewigkeit, gekrümmt, aber doch fest an der stürmischen Küste im Baskenland verankert. Es war im Sommer 1977, in den letzten Tagen der bis zu Francos Tod in Agonie verharrenden Diktatur, als Chillida diese Skulptur mit den Worten einweihte: »Ich bin Teil dieses Volkes und ich habe die Hoffnung auf eine Zukunft für uns«. Doch Chillida war kein Widerstandskämpfer. Der bescheidene, aber eigenwillige Künstler verstand es, sich zwischen den Stühlen zu bewegen. So vertrat er schon unter Franco Spanien künstlerisch auf internationalen Festivals. Berühmt wurde er 1958 mit dem Großen Plastik-Preis der Biennale in Venedig. Der im Januar 1924 in Donostia geborene Sohn einer Mittelstandsfamilie ist eigentlich ein verhinderter Fußballstar. Seine Karriere beim damaligen Zweitligisten Real Sociedad mußte er aufgrund einer schweren Verletzung beenden. Chillida behauptete, immer viel Glück gehabt zu haben, und fragte sich, ob sein Unfall nicht auch sein Glück gewesen sei, »sonst wäre ich nicht Bildhauer sondern vielleicht Trainer«. Statt dessen studierte er auf Wunsch seines Vaters Architektur in Madrid. Doch die geistige Enge der franquistischen Universität sagte ihm nicht zu. Er schmiß das Studium und ging 1948 nach Paris. 1951 kehrte er zurück in das Baskenland, da er sich nur in der Nähe der See, in den Grünen Hügeln, wohlfühle. Hier entwickelte er sich in den fünfziger Jahren zur künstlerischen Größe. In der Zeit nach Franco wurde er stark angegriffen. Die Sozialisten, ab 1982 in der Regierung, änderten unter Anleitung des Geheimdienstes die Wortwahl, um die einstigen Bündnispartner aus dem Baskenland im Kampf gegen Franco an die Wand zu drängen. Felipe Gonzalez begann ab 1984, die Basken als »religiöse Integristen«, »ewiggestrige Dörfler« und »Rassisten« zu bezeichnen, wie man in einem Interview in Le Monde vom Januar 1984 nachlesen kann. Man begann, den baskischen Nationalismus mit den Nazis zu vergleichen. Als angeblicher Beweis diente auch die Ästhetik von Chillida. Der weigerte sich nicht nur, die ETA zu verurteilen, sondern hatte auch eine Vorliebe für die Existenzphilosophie Heideggers, was als »germanophil« und damit indirekt als nazistisch gewertet wurde. Während derlei Unfug bis heute weiter über die baskische Unabhängigkeitsbewegung kursiert, konnte sich Chillida durch seine Arbeit davon befreien. Er, der sich nie festlegen ließ, schuf einerseits das Symbol für die inzwischen verbotene Organisation zur Unterstützung der Gefangenen der ETA und andererseits Skulpturen wie die am Kanzleramt in Berlin. So bot er genug Projektionsfläche für alle möglichen Vereinnahmungsversuche. Das Umfeld der ETA beteiligte sich daran noch am wenigsten. Die bewaffnete Organisation hatte vor zwei Jahren zur Einweihung seines Museums »Chillida Leku« (»Chillida Raum«) in der Nähe von Donostia, Granatwerfer in Stellung gebracht. Die richteten sich zwar nicht gegen den Künstler, aber gegen den Besuch des spanischen Königs Juan Carlos, dem Franco die Macht übergab und gegen den einstigen Franco-Anhänger und heutigen Ministerpräsidenten, José Maria Aznar. Hier, wo Chillidas Lebenswerk mitten in der Natur bewundert werden kann, wurde gestern seine Asche unter seiner Lieblingsmagnolie begraben. Ralf
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