Baskenland - Beilage der Zeitung »Analyse und Kritik« zum Prozess gegen Benjamin Ramos Vega am 3. und 4. September 1997 in Madrid
» zurück
« vorheriger Artikel 
 nächster Artikel »  

"Dann wurde mir der Kopf in eine Toilette gesteckt"

Agurtzane Ezberra lebte seit Mitte der 80er Jahre bis zu ihrer Verhaftung 1995 in der Illegalität. Sie ist baskische politische Gefangene und sitzt, bereits zu mehreren hundert Jahren Gefängnis verurteilt, in Alvila (Kastilien) ein.

Agurtzane Ezberra berichtet von den Folterungen, die sie nach ihrer Festnahme am 22.2.1995 in Barcelona erlitt. Das Berliner Kammergericht verbot in seinem Auslieferungsurteil die Verwendung ihrer unter Folter entstandenen Aussagen, mit denen sie Benjamin Ramos Vega belastete. Ihre Folterer werden als Zeugen der Anklage im kommenden Prozeß auftreten.

"Sie brachten uns zur Guardia Civil-Kaserne der Zone 4 in Barcelona. Als wir dort ankamen, wurden meine Personalien und Fingerabdrücke aufgenommen, dann ging alles los. Es kamen vier Männer herein. Einer von ihnen stülpte mir eine schwarze Plastiktüte über, eine Mülltüte. Sie begannen mich zu schlagen, vor allen Dingen auf den Kopf und in den Nackenbereich, ins Genick und auf den Hals. Die Schläge waren entweder mit den Händen in den Bereich der Ohren oder mit den Fäusten über das ganze Gesicht. Sie benutzten auch eine Art Buch, vielleicht einen Telefonkatalog. Sie gaben mir Tritte auf den ganzen Körper und Faustschläge in den Unterleib und gegen die Brust, sie zogen mich am Haar und sie zwangen mich, Liegestütze zu machen. Dann wurde mir der Kopf in eine Toilette gesteckt, um mich zu ertränken. Die ganze Zeit hatte ich die Plastiktüte übergestülpt, und sie drückten sie zusammen, um mich zu ersticken.

Ab und zu schauten sie nach meinem Kopf und Gesicht. Sie entschieden, daß es mir gutgehe und daß sie weitermachen könnten. Einer drohte mir, mich mit dem Kopf in einer Badewanne unterzutauchen und mir Elektroden anzulegen. Tatsächlich setzten sie mich dann auf einen Stuhl, befeuchteten mir die Hände mit einer Flüssigkeit und gaben mir eine Art Elektrostecker. Aber da kam jemand herein und sagte, das gehe nicht, weil ich an einer Herzkrankheit leide. Da ließen sie mich einen Moment ausruhen: währenddessen zwangen sie mich, aufrecht und mit dem Gesicht zur Wand zu stehen. Sie zwangen mich ein Lied zu singen, damit ich nicht hören konnte, was sie untereinander sprachen. Nach einer Weile fingen sie wieder an. Ich weiß nicht, wie lange das alles ging, aber ich schätze, eineinhalb Tage. Dann sagten sie mir, daß ich nach Madrid komme.

Während der Fahrt hatte ich die Augen verbunden, drei zivil gekleidete Polizisten neben mir. Kaum waren wir in Madrid angekommen, fing alles von vorne an. Die Vernehmungen mit den Schlägen, die Liegestützen, Drohungen aller Art. Ich hatte wieder die ganze Zeit eine Kapuze übergestülpt. In den Tagen, in denen ich in Madrid war, gaben sie mir keine Gelegenheit, auszuruhen, es ging ständig weiter.... sie brachten mich zur Vernehmung hoch. Mehrmals sagten sie mir, sie würden mich aus dem Fenster werfen. Ein anderes Mal sagten mir, sie würden mir einen Schuß verpassen, so daß es aussähe, als hätte ich Selbstmord begangen. Neben den Schlägen trieben sie mit mir auch ein psychologisches Spiel, indem sie mir drohten, meinen kleinen Neffen umzubringen oder einen meiner Familienangehörigen verschwinden zu lassen.

Ich war so lange in dieser Situation, daß ich das Zeitgefühl verlor. Auf dem Weg zum Gericht prägten sie mir ein, daß alles davon abhinge, was ich vor Gericht aussagen würde. Sie vergaßen nicht, mich daran zu erinnern, daß wir ja nach dem Termin beim Richter zusammen sein würden, weil sie die Zeit der Inkommunikation verlängert hätten. Während der fünf Tage, die ich in ihren Händen war, haben sie die immer versucht, daß ich niemanden zu sehen bekam und mit niemanden sprechen konnte, außer mit ihnen."

Quelle: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/rote-hilfe/berlin/action/b_r_vega/agurtza.htm

« vorheriger Artikel 
 nächster Artikel »  

 

» zurück