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Mitte Februar führte Roter Oktober mit zwei Teilnehmern der Solidaritätsdelegation ein Interview durch, das wir in Auszügen im Folgenden veröffentlichen: Roter Oktober: Von wem wurde diese Solidaritätsdelegation organisiert? Wie kam es dazu? Delegations-Mitglieder: Die Idee kam auf dem antiimperialistischen Sommerlager, das von der Antiimperialistischen Koordination organisiert wird. Es gab bereits eine Solidaritätsdelegation im März vergangenen Jahres. Angesichts der Kriegspläne wurde dann eine zweite Solidaritätsreise geplant. Was war Euer Motiv, an der Reise teilzunehmen? Angesichts der einseitigen Berichterstattung und des Vorhabens, den Krieg zu verschärfen, wollten wir uns ein eigenes Bild von der Lage machen, wollten wir versuchten, von den Menschen zu erfahren, was sie denken und unsere Solidarität mit den Menschen im Irak ausdrücken. Wie groß war Eure Delegation, wie setzte sie sich zusammen? Wir waren 35 Teilnehmer aus 9 Ländern: Japan, Schweiz, Österreich, Italien, Türkei, Palästina, Sardinien, Belgien und Deutschland. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus antiimperialistischen Zusammenhängen, aber nicht nur. Und es war auch keine Bedingung, antiimperialistisch zu sein. Es haben sich ebenso StudentInnen, die einfach gegen den Krieg eingestellt sind, ChristInnen und Journalisten beteiligt Wie wurde das ganze organisiert? Wie ist es Euch gelungen, ins Land zu kommen? Zustande kam es durch Kontakte von Kräften aus Österreich, die Kontakte zur Irak-Botschaft hatten. Wir waren eine offizielle Delegation und haben somit auch die nötigen Papiere bekommen. Was stand für Euch auf dem Programm, wie wart ihr untergebracht? Wir wurden
in einem sehr noblen Hotel in Bagdad untergebracht. In diesem wohnen auch
die ganzen Pressevertreter oder auch andere Delegationen. Hattet Ihr auch die Möglichkeit, neben den offiziellen Terminen auch die Zivilbevölkerung zu erleben, mit ihnen zu sprechen? Ja, auch
noch am 30. fuhren wir nach Saddam City, einem Armenviertel, wo rund 1,5
Mio. Menschen leben. Uns wurde berichtet, dass dieses Gebet auch viel
bombardiert wurde, was deutlich zu sehen war. Noch immer befindet man
sich hier am Wiederaufbau. Wenn wir aus dem Bus stiegen, kamen gleich
viele Menschen zu uns. Kinder kamen zusammen und riefen Parolen für
Saddam Hussein. Man muss dazu sagen, dass wir nicht nur eskortiert wurden,
sondern bei den offiziellen Terminen auch "begleitet" wurden.
Ihr wart ja auch in Basra, was habt ihr dort gesehen und wie seit Ihr dahin gekommen? Basra liegt
ja in der Flugverbotszone. Allerdings fliegt einmal täglich ein Passagierflugzeug
dahin. Trotz Flugverbot. In einem kleinen Dorf im Umland von Basra wurde
uns eine veralterte Wasseraufbereitungsanlage gezeigt. Diese war deutlich
zu klein für die Anzahl der Menschen, die darauf angewiesen sind.
Zudem stand sie ca. 8 Stunden am Tag still, aufgrund fehlenden Stroms.
Ihr habt davon erzählt, dass "Aufpasser" Euch bei den offiziellen Terminen begleitet haben. Was für Auswirkungen hatte das für die Gespräche? Es kam ganz darauf an, worüber das Gespräch ging. Ging es um die Regierung, so wurde Saddam eindeutig hochgejubelt. Bei dem Thema waren wir uns nicht immer sicher, ob das auf wirklich so gesehen wird. Ging es aber z.B. um die US- bzw. britische Aggression, so hatten wir schon das Gefühl, dass offen gesprochen wurde. Eindeutig ist die Stimmung gegen den Krieg, ist man entschieden gegen den US - Imperialismus und ist dazu bereit, den Irak bis zum letzten zu verteidigen. Es war aber nicht so, dass wir 24 Stunden begleitet wurden. So konnten wir z.B. am Abend alleine das Hotel verlassen. Hier gab es auch Gespräche mit der Bevölkerung. Als klar war, dass wir nicht von der UNO waren, kam es zu interessanten Gesprächen. Die Leute waren überwiegend sehr gastfreundlich. Es wird ja immer behauptet, im Irak würde alles, was aus dem Westen kommt, abgelehnt. Wie ist Eure Erfahrung? Abgelehnt wird eindeutig die imperialistische Kriegspolitik. Aber z.B. in einem Gespräch wurde uns berichtet, welchen US-Film bzw. Schauspieler man kennt. Man kann im Irak auch alte Hollywood-Schinken sehen. Sogar James Bond. In den Plattenläden kann man Britney Spears - Songs kaufen usw. Man sieht mal wieder, wie weit die bürgerliche Darstellung von der Realität entfernt ist. Was denkt man über den deutschen Imperialismus? Sobald wir erzählten, wo wir herkommen, meinten die Leute: Deutschland - gute Regierung usw. Dass der deutsche Imperialismus ebenfalls große Interessen am Irak hat, ist scheinbar nicht bekannt. Bekannt ist eher, dass sich die deutsche Regierung offiziell gegen den Krieg ausspricht. Was stand noch auf dem Programm? Am 31.12 gab es noch eine Schiffsfahrt auf der Schatt al Arab, das war dann aber eher Touri - Programm. Am 1.1 haben wir das Babylon Museum besichtigt und sind in die schiitische Stadt Najaf gefahren. Dort gab es eine Besichtigung der schiitischen Moschee, die vom Imam begleitet wurde. Dieser betonte, dass im Irak Staat und Kirche getrennt sei, jede Religion willkommen sei usw. Wie alle Vertreter, mit denen wir Sprachen unterstützte auch der Imam die Regierung und betonte dass nur das irakische Volk über die Regierung im Irak zu bestimmen hat . Am nächsten Tag gab es Gespräche mit weiteren offiziellen Vertretern. Dem Außenminister Dr. Naji al-Hadithi, sowie dem Sportminister. Hier wurde betont, was die Kriegsfolgen für den Irak sind. Ihr habt ja auch demonstriert, vielleicht könnt ihr dazu noch etwas sagen? Ja, das stimmt. Am 2.1.03 haben wir vor dem Hotel Canal und dem UN-Hauptquartier gegen den Krieg und das Embargo demonstriert. Uns schloss sich eine ca. 100-köpfige Delegation aus Spanien an. Wir überreichten auch eine Petition an die UNO, die unter dem Motto "keine Unterstützung der US-britischen Kriegsvorbereitung" stand. Ganz wichtig war uns die Forderung "Aufhebung der Sanktionen jetzt!". Die UN nahm die Petition zwar entgegen, war aber nicht bereit, unsere Delegation zu empfangen. Die Kundgebung stieß auf ein großes Interesse on Seiten der Medien. Im gesamten Nahen und Mittleren Osten und sogar kurz in den deutschen Medien wurde darüber berichtet Ihr wart aber auch in Jordanien, was gab es dort für Erlebnisse und Gespräche? In Jordanien
haben wir zunächst (das war am 3.01.) das palästinensische Flüchtlingslager
Bakra besucht. Dort leben ca. 140.000 Flüchtlinge in schweren Verhältnissen.
Die Flüchtlinge sind politisch total entrechtet. Nur kulturelle Organisationen
sind legal. Wir haben uns mit Vertretern des Baqaa-Kulturvereins unterhalten.
Zentrale Forderungen der Palästinenser sind das Rückkehrrecht,
sowie ein säkulärer, demokratischer Staat. Das Oslo-Abkommen
war für sie ein Verrat und keinesfalls eine Lösung. Auch Arafat
ist in ihren Augen ein Verräter. Wenn es zu einem neuen Großangriff
auf den Irak kommt, so wird man auf die Straße gehen, auch wenn
dies nicht erlaubt ist. Was habt ihr über die Stimmung in der Bevölkerung erfahren? Was gibt es sonst noch Interessantes aus Jordanien zu berichten? Die Bevölkerung
ist ganz klar gegen den Krieg. Interessant fanden wir z.B., dass der französische
Imperialismus sehr gut in Jordanien verankert ist. So hat dieser sich
z.B. im Telekommunikations-Geschäft breit gemacht. Vielleicht könnt Ihr auch noch von dem Gespräch mit Leila Khaled berichten? Zunächst müssen wir sagen, dass die PFLP-Führerin Leila Khaled offiziell als Einzelperson aufgetreten ist. In dem Gespräch wurde unter anderem die entrechtete Situation der PalästinenserInnen unter der Scharon - Regierung betont aber auch wie wichtig die Fortsetzung der Intifada ist. Des Weiteren wurde darüber berichtet, dass man durch den Krieg eine verschärfte Situation erwartet. Klar wurde gesagt, dass der Krieg mit Widerstand beantwortet wird! Konntet ihr Euer Ziel erreichen, die Lage im Irak mit eigenen Augen zu sehen? Wir haben einen kleinen Einblick bekommen. Gerade auch was die Infrastruktur, die Folgen des Embargos etc. betrifft. Wichtig waren natürlich die Gespräche mit der Bevölkerung. Natürlich hätten wir gern herausbekommen, was die Bevölkerung wirklich über die eigene Regierung denkt, aber es wäre wohl naiv gewesen, dies zu erwarten. In unserer Reflexionsrunde gab es unterschiedliche Auffassungen. Interessant war aber z.B. der Vergleich mit Erfahrungen der Solidaritätsdelegation, die in Palästina war. Während die Palästinenser sehr offen über ihre Situation, die politischen Bedingungen sprachen, fand man diese Offenheit im Irak nur, wenn es um die Politik der USA ging, nicht aber die der eigenen Regierung. H., Du bist ja Mitglied des Antifaschistischen Komitees Duisburg. Uns interessiert, was für Euch im aniimperialistischen Antikriegskampf wichtig ist? Wir finden es sehr wichtig, die Rolle des deutschen Imperialismus aufzudecken und gegen den deutschen Imperialismus zu kämpfen. Gegen die Beteiligung durch Überflugsrechte, die Spürpanzer in Kuwait und die Nutzungsrechte der US - Basen in der BRD. Wir finden es aber auch wichtig, gegen das Embargo zu kämpfen. Dieses Thema wird in der Anti-Kriegsbewegung häufig nicht mal erwähnt. Einige geben sich der Illusion hin, rot - grün wäre real gegen diesen Krieg und tragen dann Deutschland - Fahnen auf den Antikriegsdemos. Außerdem finden wir es wichtig, das Selbstbestimmungsrecht zu verteidigen, was natürlich auch für den Irak gilt. Wir möchten an dieser Stelle auch auf die Homepage des Antifaschistischen Komitees Duisburg hinweisen: http://www.antifakomitee.de/ Vielen Dank für das Gespräch! Roter Oktober | www.kpaufbau.de |
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