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UZ sprach mit Henning von Stolzenberg, der an einer Friedensdelegation in den Irak teilgenommen hat. Stolzenberg ist aktiv in der Jungen Linke Wesel und im Antifaschistischen Komitee Duisburg. Du warst mit einer Friedensdelegation auf einer Reise in den Irak dabei. Wie setzte sich die Delegation zusammen und wie kamt ihr auf die Idee? Ich war bei
der Friedensdelegation, die ausgerichtet wurde von der Antiimperialistischen
Koordination aus Wien, die im letzten Jahr auch eine Delegation nach Palästina
organisiert hat. Die Delegation hat sich zusammengesetzt aus rund 30 Leuten
aus neun verschiedenen Ländern. Es war ein ziemlich bunter Haufen.
Die Menschen kamen aus u.a. aus Italien, aus Palästina, aus England,
Deutschland, aus Japan, aus Sardinien war eine Genossin dabei. Wie seid ihr aufgenommen worden? Wir sind sehr gut aufgenommen worden. Es war ja eine Delegation der Solidarität mit der irakischen Bevölkerung. Den Leuten, die uns da empfangen haben, war das klar. Wir sind ja hingefahren, um Eindrücke zu gewinnen und Öffentlichkeitsarbeit gegen den Krieg und das Embargo zu leisten. Die Menschen im Irak waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen. Was habt ihr während der Reise unternommen? Wir haben
uns in Bagdad auf der einen Seite mit offiziellen Vertretern getroffen,
so zum Beispiel mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Völkerverständigung
und Frieden, der früher Botschafter in Deutschland und später
in Frankreich war. Mit ihm haben wir eine Fragerunde gemacht, er referierte
über die aktuelle Situation im Irak. Auch mit dem Außenminister
haben wir uns getroffen. Wir sind aber auch durch das Land gereist. Angesehen
haben wir uns z. B. das Armenviertel Saddam City, eine sehr verarmte Gegend,
die sehr unter dem Embargo leidet, das konnte man sehr deutlich sehen.
Dann waren wir im Kinderkrankenhaus und konnten sehen, wie die Gesundheitsversorgung
unter dem Embargo leidet. Kannst du die Zustände in dem Kinderkrankenhaus schildern, das ihr besucht habt? Was fehlt dort besonders? Ja, wir haben zwei Krankenhäuser besucht, das eine in Saddam-City, das andere in Basra. Die Zustände sind einfach schlecht. Man merkt, dass es an allem fehlt. Der Chefarzt erzählte uns, dass Brutkästen für die Frühgeborenen auf der Embargo-Liste stehen, ohne Begründung. Es fehlt an Möglichkeiten, den Kranken Blutkonserven zu geben. Die sind zwar nicht verboten, werden aber oft so lange kontrolliert, bis es zur Verabreichung zu spät ist. Das hat zur Folge, dass die Menschen Blutkonserven auf dem Schwarzmarkt bekommen, sie in die Krankenhäuser bringen, wo das Blut nicht einmal untersucht werden kann. Wir haben Kinder gesehen, die eine Hirnhautentzündung haben, eine Krankheit, die bei Früherkennung eigentlich geheilt werden kann. Wir haben Bilder von Kindern gesehen, die mit Missbildungen auf die Welt kamen, was auf Spätfolgen von Uranabgereicherter Munition und die schlechte Versorgung der Menschen zurückzuführen ist. Früher war es so, dass die Gesundheitsversorgung für alle kostenlos war, heute ist es so, dass die Leute, die Geld haben, dafür bezahlen müssen. Die Armen werden weiterhin kostenlos behandelt. Welchen Eindruck hattest du von den Gesprächen mit den Menschen? Glauben sie, dass der Krieg verhindert werden kann oder haben sie sich schon darauf eingeschworen? Ich war eigentlich überrascht, das Alltagsleben in Bagdad ging zumindest vordergründig ganz normal weiter, der Basar lief, die Menschen machten, was sie eigentlich immer machten. In Gesprächen stellt man fest, dass die Leute davon ausgehen, dass der Krieg kommt. Sie sagen aber auch, dass sie sich gegen den Aggressor verteidigen können. Spielen die Auseinandersetzungen zwischen der EU und den USA in der Irak-Frage eine Rolle? Nein, wenn man mit den Leuten auf der Straße spricht, geht es hauptsächlich um die USA und um England. Es ist offenbar so, dass die rot-grüne Propaganda auch im Irak ankommt, dass die Leute davon ausgehen, dass Deutschland sich nicht an einem Krieg beteiligen würde. Daher ist es mir wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass Deutschland sehr wohl an dem Krieg beteiligt sein wird. Denken wir nur mal an die US-Stützpunkte in Deutschland, von wo aus US-Bomber fliegen oder die Spürpanzer in Kuwait. Die Fragen stellte Michael Friedrich |
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